Helden in Ausbildung: Die Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) in Verden

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    Verden. Elektro-Autos oder Windkraftanlagen und Brände, die fast nicht zu löschen sind. Kunst- und Verbundwerkstoffe überall in der Umgebung des Menschen, die im Falle eines Feuers immense Gefahren entstehen lassen, Chemikalien, die täglich in riesigen Mengen auf Straße und Schiene unterwegs sind und obendrein auch noch ein Virus: Die Arbeit der Frauen und Männer in den Freiwilligen Feuerwehren war wohl noch nie anspruchsvoller, zum Teil auch beschwerlicher. Für die Mitglieder der Kreisfeuerwehr Verden allerdings kein Grund zur Resignation. Eher im Gegenteil: Neuen Herausforderungen begegnen sie mit noch intensiverer Aus- und Weiterbildung, nur auf anderen Pfaden. Schließlich kündigt sich der Ernstfall nicht vorher an, sondern ist plötzlich da. Dann ist es das Wichtigste, gut vorbereitet zu sein und sich auf das einmal Gelernte und Trainierte verlassen zu können. Modernes Material und technische Ausstattung sowie die intensive Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer bilden vor diesem Hintergrund die beiden zentralen Säulen. 

    Foto: Björn Hake

    2500 aktive Mitglieder und im Kreisgebiet in 59 Ortsfeuerwehren aktiv. 350 davon sind Frauen.
    Die Covid-Problematik hat die Ausbildung in den zurückliegenden Monaten nicht einfacher gemacht. „Wir sind digitaler geworden und haben sehr viel auf eine andere Schiene gebracht, aber die Handhabung von Geräten ist in der Praxis eben doch eine andere Sache“, sagt der künftige Verdener Kreisbrandmeister Dennis Körte. Hier habe sich schon sehr viel getan und eine Menge werde noch folgen. Heute würden die Einsatzkräfte in vielfacher Hinsicht vor große Herausforderungen gestellt, berichtet der 44-jährige Emtinghauser, der seit seinem zehnten Lebensjahr in der Feuerwehr ist. Im Brandfall würden Fahrzeuge mit neuartigen Antrieben, ob Elektro und künftig wohl auch Wasserstoff, es den Helfern nicht eben einfacher machen. Allein schon das Feststellen des möglichen Gefahrenpotenzials könne die ersten Hürden bergen. Aber auch hier hätten sich bereits Lösungsansätze abgezeichnet oder sogar etabliert, die für die Feuerwehr im Ernstfall auch praktikabel seien. Diese neuen Dinge fließen selbstverständlich auch in die Ausbildung der Helfer ein. Für die Angehörigen der Feuerwehren im Landkreis Verden steht für die Schulung und Ausbildung vor Ort die zentrale Ausbildungs- und Lehrgangsstätte in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Verden zur Verfügung. Ein Team an Ausbildern kümmert sich dort um den Feuerwehrnachwuchs. Lehrgänge und Fortbildungen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten werden angeboten. Die Felder, die thematisch abgedeckt werden müssen, sind in den vergangenen Jahren immer mehr und zum Teil auch deutlich umfangreicher geworden. Neben dem Umstand, dass sich die Helfer im Einsatzgeschehen immer neuen Gefahren und Methoden in deren Bekämpfung gegenüber sehen, bringt auch eine immer ausgefeiltere technische Ausstattung der Feuerwehren eine stetige Ausweitung der Ausbildungsinhalte mit sich. Körte: „Man ist in vielen Bereichen sensibler geworden, was diese Themen angeht. Unverändert hingegen ist geblieben, dass eine gute Ausbildung einfach unerlässlich ist.“ Ausbildung auf Kreisebene finde in der Regel abends und an Wochenenden statt. So soll die Vereinbarkeit mit den beruflichen Verpflichtungen der Teilnehmer gewährleistet werden. Jedes Jahr stehen im Normalbetrieb rund 30 fachliche Vorbereitungen in Theorie und Praxis auf dem Kreis-Ausbildungsplan. Rund 500 Feuerwehrleute aus dem gesamten Landkreis bereiten sich intensiv auf die stetig steigenden Anforderungen in ihrem späteren Einsatzdienst vor. Außerdem stellen die absolvierten Lehrgänge und Fortbildungen zum Teil die Voraussetzung dar für weitere Lehrgänge beim Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz an den Standorten Celle und Loy.

    Foto: Björn Hake

    Zum Stichwort Nachwuchs weiß man bei der Kreisfeuerwehr Verden Positives zu berichten: 2500 aktive Mitglieder sind im Kreisgebiet in 59 Ortsfeuerwehren aktiv. 350 davon sind Frauen. Hinzu kommen 600 junge Brandschützer in Jugendfeuerwehren. 200 davon sind Mädchen. In den Kinderfeuerwehren sind 300 Mitglieder (100 Mädchen) als jüngster Nachwuchs mit von der Partie. 1,8 Prozent der Landkreis-Einwohner sind aktive Mitglieder einer Freiwilligen Feuerwehr. Der Altersdurchschnitt ist mit Mitte/Ende 30 im Vergleich recht niedrig. Die Mitgliederentwicklung verlaufe konstant mit stetig steigender Tendenz. Einen besonderen Vorteil und einen Aspekt von Vielseitigkeit sieht Dennis Körte in dem Umstand, dass Feuerwehren engagierten Frauen und Männern in der Regel auch gezielt fachliche Bereiche eröffnen können, die für sie persönlich von besonderem Interesse sind. „Jeder findet hier sein Gebiet, das ihn anspricht“, sagt der künftige Kreisbrandmeister. Die vom Landkreis angeschaffte Industriedrohne beispielsweise eröffne nicht nur rein technisch komplett neue Möglichkeiten bei der Suche nach vermissten Personen oder eine bessere Einschätzung von Gefahrenlagen aus der Vogelperspektive. Der fachgerechte, professionelle Einsatz der Drohne mache auch eine neue Art von Ausbildung erforderlich. Körte: „Das ist schon toll. Solche neuen technischen Möglichkeiten machen uns das Leben an vielen Stellen auch wirklich leichter.“ Und das dürfte vielleicht gerade für jüngere Feuerwehrleute interessant sein. In Zukunft wird es neben Drohnen bei der Feuerwehr vor dem Hintergrund einer immer intensiver voran getriebenen Digitalisierung sicher noch eine Vielzahl weiterer Bereiche geben, die spannend und herausfordernd sein werden und mit denen sich interessierte Mitglieder eingehend werden beschäftigen müssen. Kreis-Pressewart Dennis Köhler: „Die Digitalisierung ist im Moment ganz klar die größte Herausforderung, die eigentlich sämtliche Bereiche betrifft.“ Die unverzügliche Informationsbeschaffung in komplexen Einsatz- und Schadenssituationen beispielsweise ist ein solcher Bereich, der auf Kreis-Ebene bereits fest ins Visier genommen worden ist. „Ob später einmal jedes Fahrzeug oder jeder Truppführer ein Tablet haben wird, das ihm im Einsatz für ganz spezielle Dinge zur Verfügung stehen wird, steht allerdings noch nicht fest. Aber die Planungen laufen“, sagt Dennis Körte und wagt damit einen von vielen Blicken in die Zukunft, die noch vor den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren liegen dürften.
    Noch kurz ein Blick in das Lehrgangs- und Ausbildungsspektrum der Feuerwehrtechnischen Zentrale: Grundlage für sämtliche weitere Ausbildungen in der Freiwilligen Feuerwehr bildet der Truppmann-Lehrgang. Dabei werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Grundkenntnisse des Feuerwehrdienstes vermittelt. Neben umfassendem theoretischem Hintergrundwissen steht vor allem die praktische Ausbildung im Vordergrund. Als Schwerpunkte der Ausbildung werden die Themen Geräte und Ausrüstungen, Verbrennungslehre, Löschmittel, Vorschriften und Rechtsgrundlagen in den Fokus gerückt.
    Nachfolgend belegen zahlreiche Feuerwehr-Einsteiger den Sprechfunker-Lehrgang. Schwerpunkte der Ausbildung sind physikalische und technische Grundlagen des Sprechfunks, Gerätekunde, Kartenausbildung, funktechnische Dienstvorschriften und praktische Übungen. Ohne den bestandenen Lehrgang gibt es keine aktive Teilnahme am Funkverkehr der Feuerwehren. Auch für eine Vielzahl von weiterführenden Lehrgängen ist die bestandene Sprechfunkausbildung Bedingung.

    Foto: Björn Hake

    Um sich bei einem Brand vor giftigem Rauch zu schützen, tragen Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung Atemschutzgeräte. Um dieses komplexe Areal bedienen zu können, gibt es den Atemschutzgeräteträger-Lehrgang, der unter anderem körperlich äußerst fordernd ist. In der Ausbildung überwiegt der praktische Teil, wo der Umgang mit dem Atemschutzgerät auch in Extremsituationen trainiert wird. Die praktische Abschlussprüfung findet in der Atemschutzstrecke statt, die dazu verdunkelt und auf etwa 60 Grad aufgeheizt wird. Nach erfolgreichem Lehrgangsabschluss muss jeder Atemschutzgeräteträger unter anderem einen jährlichen Leistungsnachweis erbringen.
    Der Maschinisten-Lehrgang vertieft die technischen Kenntnisse von Feuerwehrangehörigen. Die Teilnehmer sollen in die Lage versetzt werden, eigenständig Geräte wie Stromerzeuger und Pumpe richtig zu bedienen sowie Störungen zu erkennen und zu beseitigen.Beim Motorsägen-Lehrgang geht es an drei Tagen um die richtige und sichere Handhabung der Motorsäge und um deren Wartung. Neben dem grundlegenden Arbeiten mit der Kettensäge gehören auch praktische Übungen wie das Sägen von unter Spannung stehendem Holz zu den Lerninhalten.

    Foto: Björn Hake

     

    Frank Kalff
    Frank Kalff
    Frank Kalff schreibt seit 2018 für die STARK.
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