Lokal und Nachhaltig – Klangens Hof

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    Höperhöfen 15: Hofhund und -katze kommen zur Begrüßung des Gastes vorbei, Landwirt Cord Meyer stellt auf dem Balkon einen Pott heißen Kaffee auf den Tisch. Outdoor-Gespräch über seinen Hof. An der Hauswand ein Schild: „Es gibt so viele Hühner auf der Welt und ausgerechnet ich habe die schönsten!“ Hofidylle. Trügt der Schein? Nein, denn Cord Meyer und seine Familie setzen nicht auf Massentierhaltung, sondern auf überschaubare Einheiten und Nachhaltigkeit. Und daher gibt es auf dem Hof sogar echte Paradiese.Klangens Hof – so der Name des Betriebes. Die Hofgeschichte reicht nachweislich sogar bis ins Jahr 1747 zurück. In den 1940er-Jahren brannte alles ab, Stück für Stück wurde der Hof neu aufgebaut. Cord Meyer wuchs in Höperhöfen auf. „Hier bin ich schon mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gelaufen“, erinnert er sich zurück. Dass er in die Fußstapfen seiner Eltern trat, ergab sich ganz selbstverständlich. Ohne Zwang, aber irgendwie war immer klar: Der Junge macht’s weiter.  

    Fotos: Cord Johann Meyer

    Immer montags: umziehen! Gemeinsam mit seiner Frau Dorina hat er den Betrieb in Familienhand halten können. Was für sie und die drei Kinder zähle? „Liebe zur Landwirtschaft, Respekt für die Tiere und ein hoher Anspruch an Qualität.“ Aus seiner Tierhaltung macht der 52-Jährige kein Geheimnis. Im Gegenteil, wie seine Ställe aussehen, ist transparent. Wer rund um Höperhöfen unterwegs ist, wird die mobilen Einheiten entdecken, die Cord Meyer liebevoll „Hühnerparadies“ nennt. Tatsächlich, ganz klischeehaft, fällt einem beim Anblick der Stallwagen im Freien unweigerlich das Lied „Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn“ der Comedian Harmonists ein, denn die 700 Legehennen können sich wohl nicht beklagen, was ihr Leben angeht. In Zeiten von Lebensmittelskandalen und Berichten über schlechte Haltungsbedingungen in der Agrarlandschaft ein überaus wohltuender Anblick. Die Hennen ziehen immer montags mit ihren „Hotels“ um, weiter zur nächsten satten Wiese mit viel Platz, sie können nach Herzenslust scharren und picken. Auch um das Futter, das Cord Meyer verwendet, macht er kein Geheimnis. „Das kann jeder gerne sehen und Fragen dazu stellen.“ Auf jeden Fall ist es frei von gentechnisch veränderten Substanzen.

    Fotos: Cord Johann Meyer

    Transparent ist ebenso die Haltung seiner „Weidegockel“. Die Hähnchen (eine langsamwachsende Bioland-Rasse) genießen ständigen Freilauf. Rund 80 bis 100 Tiere werden pro Woche geschlachtet. Bis dahin haben sie ihr eigenes Security-Team an ihrer Seite: Drei ausgewachsene Alpacas sorgen dafür, dass natürliche Fressfeinde Abstand halten. In diesem Jahr gab’s mit „Oreo“ und „Toffee“ (wer die Namen hört, kann sich die Farben sicher denken) sogar Alpaca-Nachwuchs. Ein besonderer Hingucker auf den Weiden. Auch die Hühnchen sind übrigens unter Bewachung – und zwar von Ziegen.

    Weiterer Zweig von Klangens Hof: Die Schweinezucht. Zusätzlich zu den bisher bestehenden Stallungen gibt’s seit ein paar Wochen zusätzlich ein „Freiland-Schweineparadies“, erklärt Cord Meyer. Möglich werde das, weil er auf eine weitere Rasse setze, die widerstandsfähiger gegen die Sonne sei und die damit das Outdoorleben besser verkrafte: Die Duroc-Schweine. Behutsam will Cord Meyer sein neues Geschäftsfeld aufbauen – geplant sei zunächst, ein Schwein pro Woche für die Direktvermarktung zu schlachten.

    Fotos: Cord Johann Meyer

    Direktvermarktung – genau die ist für Cord Meyer besonders wichtig. Geschlachtet und zerlegt wird vor Ort, lange Transportwege entfallen also für die Tiere. Wie viele andere Landwirte hat auch Familie Meyer einen Verkaufswagen für Eier. Der stand früher etwas entfernt vom Hof. Ergebnis: Nicht jeder Kunde zahlte. Eier wurden schlichtweg geklaut, mehrere Dutzend pro Woche. Der Wagen steht nun direkt auf dem Hof – und die Kasse stimmt wieder. Besonders interessant für die Direktvermarktung ist zudem ein Mitarbeiter, der der Traum eines jeden Arbeitgebers sein dürfte: Er arbeitet 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, will nie Urlaub. Sein Name: Regiobox. Genau jener speziell angefertigte Automat steht seit März auf dem Grundstück und wird Tag für Tag mehrfach frisch bestückt – so können Interessierte dort verschiedenste Produkte kaufen, zu jeder Zeit und direkt vom Hof. Münzen einwerfen oder Schein einstecken, Nummer des Produktfachs auswählen, Ware mitnehmen – fertig. Nicht nur Fleisch ist zu haben, auch etwa hausgemachte Nudeln, Suppe oder Salat gibt es auf dem Hof. Seine Kunden und Kundinnen? „Besser-Esser“, nennt sie Cord Meyer, also die, die sich gern gute Qualität gönnen möchten und bereit seien, einen angemessenen Preis zu zahlen. Und den braucht es, um Geld in die Kasse zu bekommen. Natürlich sei „Bullerbü-Landwirtschaft“ schön, aber die Familie müsse wirtschaftlich über die Runden kommen. Nachhaltig und wirtschaftlich – Cord Meyer versucht, beides zu kombinieren.

    Fotos: Cord Johann Meyer

    Eine Bio-Zertifizierung strebt der Landwirt nicht an. Die, so sagt er, würde seinen Hof nicht weiterbringen, denn seine Stamm-Kunden wüssten sowieso über seine Freilandhaltung Bescheid und schätzten die Produkte. Die frischen Eier, schwört Cord Meyer augenzwinkernd, seien schließlich so gut, dass er eigentlich auf die Packung „Vorsicht, suchterzeugend!“ schreiben müsste. Jene Eier sind übrigens in ausgewählten Supermärkten auch in Rotenburg zu haben. Außerdem ist Cord Meyer auf Wochenmärkten unterwegs, und zwar in Sottrum, Achim und Lilienthal. Auch künftig wird Familie Meyer auf den lokalen Aspekt in der Ausrichtung ihres Hofes setzen. Cord Meyer ist überzeugt: „Lokal ist das ehrliche Regional.“ Der Landwirt urteilt nicht über die, die ihre Höfe anders ausrichten, ist aber froh, für sich und seine Familie einen nachhaltigeren Weg gefunden zu haben. „Größer, höher, schneller – ich glaube, dass das ein Auslaufmodell ist. Und es ist definitiv nichts für uns.“

    Wibke Woyke
    Wibke Woyke
    Wibke Woyke schrieb von September 2017 bis Juni 2020 für die STARK.
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