Landpark Lauenbrück – Ein Ort der Entschleunigung

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    Lauenbrück. Nur ein paar Schritte vom Parkplatz zum Eingang. Und schon beim ersten Kontakt fühlt man sich gut aufgehoben. „Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt der Chef persönlich. Friedrich-Michael v. Schiller begrüßt die Gäste an der Kasse des LandParks Lauenbrück. Kurze Zeit später sitzt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Katharine zum Pressegespräch mit einer Tasse Kaffee am Tisch. Wer ihnen zuhört, spürt die familiäre Atmosphäre und die Begeisterung für das, wofür sie sich täglich stark machen. Der LandPark ist ein Ort der Entschleunigung von der Hektik des Alltags, für Jung und Alt genauso wie für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Natur und deren Zusammenhänge näherbringen – mit diesem Bestreben wurde die Einrichtung 1969 von der Familie Friedrich-Wilhelm v. Schiller gegründet, damals als reiner Wildtierpark. 1972 wurde er durch einen Orkan fast vollständig zerstört. Doch die Familie ließ sich nicht entmutigen und startete den Wiederaufbau. Dabei wurde der Mittelteil des Parks zu großen Weideflächen umgestaltet, eine Allee mit Futterbäumen gepflanzt und der Tierbestand um ausgestorbene Ur-Wild-Tierarten erweitert. 

    Foto: Wibke Woyke

    Doch in welche Richtung sollte der weitere Weg führen? Diese Frage stellte sich das Ehepaar v. Schiller. Friedrich-Michael v. Schiller begann, ein Konzept zu erarbeiten, das sich um Barrierefreiheit drehte. Auch zum Thema Artenschutz hatte er schon etwas in der Schublade. Dann half der Zufall mit: Über seine Visionen kam er mit einem Stammgast ins Gespräch. Der wiederum war Jurist und kümmerte sich ums Verwalten des Nachlasses des Bremer Kaufleuteehepaars Willi und Erika Scharnow. 2002 flossen bedeutende Teile ihres Vermögens in Projekte zum Wohle von Menschen mit Behinderungen sowie in den Tier- und Artenschutz. Zur Verwirklichung ihres Willens gründeten der Testamentsvollstrecker und von Schiller im Jahr 2004 die Scharnow-Stiftung „Tier hilft Mensch“.

    Foto: Wibke Woyke

    Jene Stiftung fördert seither die Umgestaltung des LandParks und leistet einen wesentlichen Beitrag, ihn attraktiver für alle Besucher zu gestalten und zugleich eine integrative Begegnungsstätte zu schaffen. Naturnahe Erlebnisse für Menschen mit und ohne Behinderungen und damit einen Ort für ein unbekümmertes Miteinander zu realisieren, das ist ein wichtiges Anliegen. Mit taktilen Leitsystemen und Wegen, die kinderwagen- und rollstuhlgerecht angelegt sind, sowie dem Garten der Sinne wird die Natur für Jung und Alt, Kinder wie Senioren, insbesondere aber auch für Seh- und Gehbehinderte sowie Blinde erlebbar. Eine Förderung aus dem Topf der europäischen EFRE-Mittel half ebenso bei der Umgestaltung.

    Foto: Wibke Woyke

    Ein Schwerpunkt liegt zudem im Artenschutz. Vor allem alte Bauernhoftierrassen, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit in der industrialisierten Landwirtschaft heute keinen Platz mehr finden, werden für die Nachwelt erhalten. Und so treffen die Besucher auf dem 25 Hektar großen Areal etwa auf Wollschweine oder Bentheimer Landschafe. 2015 gewann der LandPark mit seinem Projekt „LandFrüchte“ sogar den ersten Preis für Nachhaltigkeit im Tourismus im Reiseland Niedersachsen, verliehen vom Wirtschaftsministerium durch Olaf Lies.

    Foto: Wibke Woyke

    Erlebnispädagogik sowie die Förderung von Kunst und Kultur (etwa bei Poetry im Park oder bei Konzerten) sind weitere wichtige Säulen des Konzepts. Und Zukunftspläne gibt es genug, etwa bei der Ausgestaltung des LandFrüchte-Projekts. Doch wie immer ist eins für die Realisierung von Ideen nötig: Geld. Was viele nicht wissen: Der LandPark ist eine gemeinnützige GmbH und auf Spenden angewiesen. Eventuelle Gewinne werden reinvestiert. „Nur mit den Besuchereinnahmen allein ist der Betrieb nicht zu schaffen“, erklärt Friedrich-Michael v. Schiller, der ebenso wie seine Frau Katharine hofft, mit dem Thema Barrierefreiheit eine Vorbildrolle für andere haben zu können. Erst der barrierefreie Landpark, dann in der Nähe ein barrierefreies Hotel oder gar eine barrierefreie Innenstadt – ein Schneeballsystem quasi, von dem die ganze Region in Sachen Tourismus profitieren kann. Friedrich-Michael v. Schiller ermutigt Betriebe und Einrichtungen daher, Stück für Stück Barrierefreiheit weiter umzusetzen, damit Inklusion ihrem Grundgedanken entsprechend ganz selbstverständlich wird.

    Wibke Woyke
    Wibke Woyke
    Wibke Woyke schrieb von September 2017 bis Juni 2020 für die STARK.
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