Nils Halatsch – Sport ist echt

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    3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen: diese Disziplinen muss ein Triathlet bezwingen, um in den „Olymp“ der Branche aufzusteigen. Die Rede ist von der Langdistanz, einer der härtesten Ausdauerwettkämpfe der Welt – besser bekannt als Ironman. Was einen „Eisenmann“ antreibt, das verrät Niels Halatsch aus Mulmshorn (31) im Interview. 

    STARK: Herr Halatsch, Sie haben im Alter von zwölf Jahren in Scheeßel mit dem Triathlon-Training angefangen. Mit 14, 15 Jahren stellten sich erste Erfolge ein, zum Beispiel ein 13. Platz bei den Deutschen Meisterschaften. Trotzdem haben Sie mit 19 erstmal aufgehört. Niels Halatsch: Ich habe damals ein bisschen Abstand gebraucht, wollte andere Dinge ausprobieren: Motorradfahren, Party machen … Außerdem habe ich meinen Wehrdienst abgeleistet. Ja. Mir ist klargeworden: Der Sport ist echt. Beim Training fühle ich mich authentisch und lebendig. Ich muss gut für mich sorgen, mit dem Körper im Einklang leben. Und der Fleiß, mit dem ich mich vorbereite, zahlt sich beim Wettkampf aus. Nach vier Jahren Pause bin ich zum Triathlon zurückgekehrt. Sie haben in Rotenburg die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe absolviert und einige Jahre in der Schwimmhalle der Kaserne Seedorf gearbeitet. Und dann sind Sie über eine Stellenausschreibung gestolpert, die Ihnen quasi auf den Leib geschrieben war.

    Stimmt. Seit 2019 bin ich „Trainer für Körperliche Leistungsfähigkeit“ bei der Bundeswehr in Munster. Aktuell gibt es erst 25 dieser Stellen, perspektivisch soll jede Einheit einen eigenen KLF-Trainer bekommen, um die Fitness der Soldaten zu verbessern. Ich arbeite mit einer Batterie von 220 Männern und Frauen. Das Ziel ist, pro Person auf 180 Minuten Sport pro Woche zu kommen.Trainieren während der Arbeitszeit – für einen Triathleten muss das so eine Art Paradies sein. Wie sieht denn Ihr persönliches Pensum aus? Ich bin super glücklich, dass ich Hobby und Beruf so gut verbinden kann. Im Winter trainiere ich 14 Stunden pro Woche: Krafttraining, Laufen, Schwimmen und Radfahren. Ab April wird es mehr, und vor einem Ironman-Wettbewerb komme ich auf 24 Stunden pro Woche. 2018 sind Sie beim legendären Ironman in Hawaii gestartet, dem ältesten Triathlon über die Langdistanz. Wenn Sie drei Worte wählen dürften, um das Erlebnis zu beschreiben – welche wären das? Erfüllung. Bestätigung. Stolz. Rund eine Stunde Schwimmen, rund fünf Stunden Radfahren. Und anschließend noch bei 30 Grad im Schatten einen Marathon laufen. Das bedeutet in Ihrem Fall 9 Stunden, 45 Minuten und 40 Sekunden Anstrengung, bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. Am Ende haben Sie in Ihrer Altersklasse den 117. Platz belegt. Warum tut man sich das überhaupt an? Tatsächlich war es ein fast spirituelles Erlebnis. Ich persönlich finde, dass wenige Sachen so bereichernd sind wie Ausdauersport. Ich bin gerne im Wasser, ich liebe die Aerodynamik des Radfahrens. Und wir sind alle geboren, um zu Laufen. Der Triathlon bedeutet für mich auch eine Art Ausbruch aus der Konsum-Haltung. Was in gewisser Weise ein Widerspruch ist, denn natürlich ist das Drumherum eine große Geldmaschinerie.

    Und ohne Geld kommt man als Triathlet nicht sehr weit, oder? Nein, da kommt einiges an Ausgaben zusammen: Startgelder, Flüge, Benzinkosten, Rad-Technik und Reparaturen… Allein die Teilnahme am Ironman in Hawaii hat rund 6.000 Euro gekostet. Ohne die Unterstützung von Sponsoren wie Winkel, Buhrfeind & Partner ginge das gar nicht. Ist es eigentlich schwer, als Amateur-Sportler Sponsoren zu finden? (lacht) Der typische Triathlet ist ja eher ein bisschen in sich gekehrt, sehr zielorientiert. Ich denke, ich habe diesbezüglich einen Vorteil, weil ich ein lebensfroher, positiver Mensch bin. Es fällt mir nicht schwer, andere Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken.

    Als Sie, angefeuert von Freunden und Familie, über die Ziellinie liefen, ahnten Sie noch nicht, dass Sie ein Jahr später Vater werden würden. Haben Ihre Prioritäten sich dadurch verschoben? Stimmt: Im Oktober 2019 ist meine Tochter geboren. Und das war sogar noch besser als ein Start in Hawaii! 2020 steht daher die Familie im Vordergrund, im Sommer gehe ich in Elternzeit. Neuerdings trainiere ich mit der Kleinen im Fahrradanhänger. Fürs Erste habe ich nur regionale, kleinere Wettbewerbe geplant. Aber Ende des Jahres starte ich beim Ironman Bahrain, dahin gibt es von Hamburg sehr günstige Flüge. Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft? Wenn man alles hat, was möchte man noch? Ich wünsche mir, dass meine Familie, Freunde und ich gesund bleiben.

    Annette Freudling
    Annette Freudlinghttps://www.annette-freudling.de
    Studierte Kulturwissenschaften, Anglistik und Germanistik in Bremen. Lokaljournalistin, Redakteurin und Autorin. Privat verortet zwischen Kammerchor, Katzenhaar und Kneipenquiz. Geschichten mag sie am liebsten ohne Bart. Ansonsten findet sie Bärte aber ganz okay.
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