Räder, Netzwerke und das große Ganze

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    Visselhövede. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, aber frische Ideen und ungewohnte Wege werden in Zukunft ganz bestimmt nicht schaden, da ist sich Ulf Timmann sicher. Der Visselhöveder Zweiradhändler ist kürzlich wieder zum Vorsitzenden des Gewerbevereins gewählt worden. „lch stehe für das Amt noch zwei weitere Jahre zur Verfügung. Dann ist Schluss“, sagt Timmann. Und in dieser Zeit wünscht er sich mit Blick auf die Stadt und ihre Entwicklung noch möglichst viel Bewegung. Timmann: „Bewegung schadet auch im Vorstand und an der Spitze unseres Vereins nicht. Ich bin ein absoluter Freund davon, dass derartige Posten regelmäßig mit anderen Personen besetzt werden.“ Grundsätzlich sieht er den Gewerbeverein gut aufgestellt, sein Stellenwert werde in der Stadt durchaus wahrgenommen und gewürdigt. Bei der Entwicklung einer Stadt müsse man aber neben Handel, Handwerk, Gewerbe und Dienstleistungen noch eine Vielzahl anderer Dinge im Auge behalten, wenn man die Attraktivität und Lebensqualität der Menschen auf lange Sicht sichern, wenn möglich noch steigern möchte. „Stadtmarketing ist hier ganz bestimmt ein wichtiges Stichwort. Das ist natürlich ein sehr breit gefächerter Begriff, aber es gibt viele Punkte, an denen man ansetzen kann“, sagt der Zweirad-Experte, der neuen Ideen gegenüber stets aufgeschlossen ist. Ob es um die Beseitigung von Leerständen bei Geschäften in der Innenstadt gehe oder darum, vielleicht bestimmte Veranstaltungen einmal nach einem komplett neuen Strickmuster aufzuziehen: Die Stadt in Form von Politik und Verwaltung sieht Timmann, der als Mitglied der Grünen auch im Stadtrat sitzt, hier durchaus in der Pflicht, den Gewerbeverein zu unterstützen: „Ohne Frage ist das ein Miteinander. Wir sind hier aber in der schönen Situation, dass wir an den entsprechenden Stellen stets ein offenes Ohr finden. Das ist seitens der hier handelnden Menschen alles schon sehr gut geregelt. Wenn man sich einmal in anderen Städten umschaut, ist das längst nicht überall der Fall.“ Beim Blick auf das Flair und den Anreiz, in einer ganz bestimmten Stadt leben zu wollen, müsse man auch stets die Infrastruktur im Blick haben. Bei den Stichworten Mobilität und Konnektivität beispielsweise sei es zwingend notwendig, dass auch hier die Politik aktiv ist und Weichen richtig stellt. Attraktive Angebote von Bahn und Bus oder die Breitband-Datenanbindung seien heute für die Menschen wichtige Kriterien bei der Wahl des Wohnsitzes. Das ganze Erscheinungsbild einer Stadt werde von einer Vielzahl von Details geprägt.

    Ob es sinnvoll sei, vielleicht so erfolgreiche und publikumswirksame Veranstaltungen wie den Apfeltag mit anderen Überschriften als zusätzliche Highlights im Jahresprogramm zu etablieren? „Wir wollen die Zahl der Märkte nicht weiter erhöhen. Das hat auch mit der Anzahl der möglichen verkaufsoffenen Sonntage zu tun. Außerdem ist auch die Bereitschaft, die Straßen jedesmal sperren zu müssen, irgendwann ausgereizt.“ Stattdessen gebe es gute Ideen, bereits im Jahresprogramm verankerte Veranstaltungen durch frische Ideen noch in ihrer Attraktivität und Anziehungskraft zu steigern. Apfelmarkt, Martinsmarkt und Weihnachtszauber bilden hierzu nach Einschätzung des Vereins-
    chefs eine ebenso gute wie breite Basis. Ein riesiges Thema sieht Ulf Timmann weiterhin in der Herausforderung, Internetgrößen wie Amazon, Zalando und Co. als Händler vor Ort entgegen zu treten. „Da taucht irgendwann natürlich die Frage auf, wie man sich am besten aufstellt. Im Verein haben wir viel Handel, aber auch große Anteile an Mitgliedern aus den Bereichen Handwerk und Dienstleistung. Die beiden letzten sehen die Notwendigkeit von Online-Angeboten meistens etwas anders als der Handel. Ideen für die Zukunft, was Online-Shops und -Portale betrifft, gibt es in unseren Reihen jedenfalls jede Menge“, betont der Chef des Gewerbevereins. Hier sei in der Regel jeder selbst gefordert, für sich zu entscheiden, was er im Internet an Angeboten für sinnvoll hält, ausbaut oder überhaupt erst schaffen möchte. Eine gewisse Bedeutung der Generationenfrage bei der Grundhaltung gegenüber dem Internet könne man auch nicht ganz ausschließen. Dazusitzen und auf den Kunden zu warten, sei definitiv der falsche Weg, der Verein aber ein gutes Forum, derartige Dinge zu erörtern. Plattformen, die es nicht gebe, könnten Kunden schließlich auch nicht nutzen. Timmann: „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir den großen Playern immer einen Schritt hinterher sein werden. Deshalb muss man versuchen, mit kleinen Ideen zu punkten. Unter anderem geht es darum sehr viel darüber, mit den Menschen in direktem Kontakt zu sein.“ Timmann selbst nutze seine Internetpräsenz für den Fahrradladen Vento dazu, sein Unternehmen abzubilden, Kunden für Produkte zu interessieren und ihnen Informationen zu einzelnen Fahrrädern zu liefern. Um sich dann persönlich ein Bild machen zu können, werden sie gleichzeitig zu einem Besuch im Geschäft eingeladen.

    Und weil es eben oft die kleinen Dinge sind, die viel Arbeit kosten, laufen beim Visselhöveder Gewerbeverein schon jetzt die Arbeiten für den Feinschliff an einer neuen, stimmungsvollen Weihnachtsbeleuchtung. Bereits im vergangenen Jahr sei damit begonnen worden, neue Konzepte zu entwickeln. Künftig dürfen die Straßen nämlich nicht mehr mit Lichterketten überspannt werden. „Aber wir werden auch hier eine gute Lösung finden. Da bin ich mir sicher“, setzt der Chef des Gewerbevereins auf die Kreativität seiner Mitglieder und auf das kleine Netzwerk, das in der Stadt nach und nach weiter wachse und sich verfestige.

    Fotos: Mark Intelmann

    Frank Kalff
    Frank Kalff
    Frank Kalff schreibt seit 2018 für die STARK.
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