Stiftung Waldheim – Gemeinsam Leben & Wohnen, Lernen & Arbeiten

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    In einer schwierigen Zeit wagte Helene Grulke vor 90 Jahren ein mutiges Vorhaben. Die damals 50-Jährige verwirklichte ungewöhnliche Pläne, in deren Mittelpunkt ein Zuhause für behinderte Menschen stand. Zusammen mit ihrer langjährigen Freundin und Kollegin Lina Schüßler gründete die couragierte „Kleinkinderlehrerin“ und Krankenschwester in Cluvenhagen im Landkreis Verden 1932 inmitten der Weltwirtschaftskrise ein „Heim für geistig kranke und hilflose Menschen“, das sie „Haus der Barmherzigkeit“ nannte. Die Einrichtung gibt es auch heute noch unter dem Namen Waldheim. Sie ist seit 1969 eine Stiftung.Heute sind die Begrifflichkeiten moderner und die Inhalte der Arbeit haben sich gewandelt – von der Fürsorge Helene Grulkes über die Normalisierung bis zur Integration von Menschen mit Behinderung war es ein weiter Weg. Heute versteht sich das Waldheim als Dienstleister für beeinträchtigte Menschen mit einem breiten Angebot an Teilhabemöglichkeiten.

    Das Spektrum der Stiftung ist groß und reicht von Wohnangeboten für Erwachsene, Kinder und Jugendliche über Wohntrainingmaßnahmen und ambulante Unterstützungsangebote zu Lern-, Bildungs- und Beschäftigungssofferten. Darüber hinaus stehen viele Freizeitaktivitäten im Fokus der sozialen Einrichtungen.

    Neben Teilhabe am Kultur- und Vereinsleben bietet die Stiftung Waldheim Urlaubsfahrten, Sportangebote, Theater-, Tanz- und Musikgruppen. Auch das eigene Tiergehege spielt eine große Rolle. Denn Tiere können bei physischen und psychischen Erkrankungen in vielfältiger Weise helfen und wirken sich positiv auf Verhalten und Wohlbefinden aus. Deshalb hat die Stiftung Waldheim den Umgang mit Tieren in ihre pädagogischen Konzepte eingebaut und einen kleinen Zoo eingerichtet. Die Schafe Willi und Otto, die Ziegen Max und Moritz, drei Hasen, Kaninchen, ein Hahn und viele Hühner sowie etliche Wellen- und Nymphensittiche haben auf dem parkähnlichen Kerngelände der Stiftung ein eigenes Zuhause gefunden. Insgesamt gehe es darum, Perspektiven und Spielräume für Menschen zu schaffen, damit jeder seinen eigenen Lebensentwurf ausgestalten kann. Vorstand Carl-Georg Issing erklärt: „Für uns bedeutet das unabhängige Lebensführung und Hilfe zur Selbsthilfe.“

    Ein Blick zurück in die Geschichte: Helene Grulke war klein in der Statur, entschlossen im Handeln und eisern im Willen, so wird sie beschrieben. Wie genau sie es schaffte, hilflose und pflegebedürftige Menschen mit Behinderung durch den Zweiten Weltkrieg und vor allem durch die NS-Diktatur zu bringen, ist bis heute weitgehend ein Rätsel geblieben. „Wenig ist aus dieser Zeit überliefert, die meisten Aufzeichnungen stammen aus den Folgejahren“, sagt Carl-Georg Issing, der gerade an der neuen Chronik für das Waldheim arbeitet. „Unsere erste Chronik ist aus dem Jahr 2002, wir nehmen nun unseren 90. Geburtstag zum Anlass den Faden wieder aufzunehmen, in dem wir die Ereignisse im Waldheim chronologisch in den Kontext geschichtlicher und wichtiger Entwicklungen stellen. Es ist bemerkenswert, wir sehr wir ein Spiegel gesellschaftspolitischer Entwicklungen sind.“

    Grulke, die später für ihr Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, leitete ihr Heim als Privatperson, „die Siechen und Alte sowie Pflegekinder betreut“. Vermutlich war genau das der Grund, warum sie es schaffte, die ihr anvertrauten Menschen durch die schweren Jahre des Nationalsozialismus zu bringen. Verfolgung und Euthanasie waren damals eine allgegenwärtige Bedrohung. Zu dieser Zeit wurden an behinderten Menschen grausame medizinische Experimente vollzogen und Tausende wurden umgebracht. Helene Grulke schaffte es jedoch, eine Insel der Sicherheit für die ihr anvertrauten Menschen zu schaffen und legte damit den Grundstein für die heutige Waldheim-Gruppe, deren Kern die Stiftung Waldheim ist. Als modernes, zertifiziertes Unternehmen beschäftigt die Stiftung über 600 Mitarbeitende, die in 40 verschiedenen Berufsfelder unterwegs sind.

    Fotos: Archiv Stiftung Waldheim

    Frank Kalff
    Frank Kalff
    Frank Kalff schreibt seit 2018 für die STARK.
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