Zauber in jeder Mahlzeit

    Veröffentlicht:

    Walsrode. Münzen klimpern munter in Roland Tietschs Leinenbeutel. Während er ihn mit Schwung von einer Hand in die andere wirft, folgen ihm die neugierigen Blicke seiner Tafelgäste. Sie lassen ihre Ritterhumpen für diesen Moment auf dem urigen Holztisch ruhen, lachen beherzt, stellen sich alle ein und dieselbe Frage: Wem wird es gleich gelingen, den silbernen Zaubertaler zu ziehen? „Wer den silbernen Taler zieht, statt einem der kupfernen, dem kredenzen wir ein festliches Freigetränk.“ Roland Tietsch erklärt damit eine Szenerie, die im Zauberkessel in Walsrode keine Seltenheit ist. Hier nimmt man sich die Zeit für Spaß und Gaukeleien. Hier ist Mittelalterzeit. 

    Foto: Mark Intelmann

    Betritt ein Gast das Restaurant an der Bergstraße, beginnt für ihn eine Reise in vergangene Welten: Er landet in einem schummrigen Gewölbe, blickt auf Ritterrüstungen und Mauern aus Stein, auf lange Holztafeln und einladende Sitzbänke. Eine Menge Kerzen strahlen ihm entgegen und die freundlichen Gesichter der Gastgeber, für die ihr Zauberkessel alles ist. „Vor rund zehn Jahren, da hat alles angefangen, mit der Schänke hier in Walsrode. Ich sehe es als Begegnungsstätte an und alles hatte auch seinen Anfang mit einer wichtigen Begegnung“, erzählt Roland Tietsch. Er habe damals Nicoletta Kracke getroffen, seine heutige Geschäftspartnerin. In ihr habe er eine mittelalterbegeisterte Verbündete gefunden. Und eine Verbündete, die ebenso gern rein pflanzliche Gerichte anbieten wollte. „Also, damit geht ihr doch pleite!‘ Sowas haben die Leute uns anfangs prophezeit. Mittelalter und dazu vegan, das will doch keiner.“ Roland Tietsch lächelt, als er weiterspricht. „Kam dann doch anders: Von Tag eins an wurde unsere Schänke gut besucht.“

    Foto: Mark Intelmann

    Ihre Gäste strömen aus allen Himmelsrichtungen zu ihnen, erzählt Roland Tietsch weiter, viele kommen aus dem Rotenburger Raum, aus Hannover, Bremen und Hamburg. „Jetzt könnte man meinen, es seien viele Veganer, die unser Restaurant aufsuchen und extra weite Strecken auf sich nehmen. Aber das stimmt so gar nicht: Wir haben hier tatsächlich in der Überzahl Menschen zu Gast, die sich normalerweise Fleisch bestellen würden. Das ist ein großes Kompliment für uns und für unsere Küche.“ Cordon Bleu, Schnitzel, Ragout – alles wird im Zauberkessel in raffiniert angerichteter, veganer Variante serviert. Dazu eine Prise Mittelalterflair, mit ausgefallenen Menünamen wie „Hofnarr“, „Barbarenspieß“, „Trunkenbold“. Auch die Getränke sind wie die Gerichte vom Wein bis zur Brause vegan. Roland Tietsch lächelt wieder. „Ich war schon immer ein Tierfreund und ich freue mich sehr, dass wir den Tierschutz über unser Restaurant in die Welt tragen können.“

    Foto: Mark Intelmann

    Roland Tietsch möchte mit seiner kulinarischen Botschaft niemanden belehren, lieber inspirieren. „Wer Fragen hat, kann fragen.“ Für ihn und für seine Geschäftspartnerin Nicoletta Kracke spielen die Begegnungen im Zauberkessel die große Rolle, betont der Kunstmaler und Bildhauer noch einmal, der die Gewölbe im Übrigen – komplett selbst entworfen und ausgebaut hat. Die guten Gespräche mit den Gästen, die zählen. Die Freundschaften, die hier an der langen Tafel entstehen. Die geselligen Feiern bei Hochzeiten, Geburtstagen, Weihnachtsfeiern und die gut besuchten Veranstaltungen, seien es Konzerte, Lesungen oder Kurse. Roland Tietsch bringt es auf den Punkt: „Wir lieben es einfach, die Menschen für einen Moment zu verzaubern.“ Öffnungszeiten im Zauberkessel: mittwochs, freitags und samstags, jeweils von 17–24 Uhr. Warme Küche bis 22 Uhr. Reservierung empfohlen. Nur Bargeldzahlung.
    Informationen zu weiteren Veranstaltungen und Speisen unter www.zauberkessel-walsrode.de<www.zauberkessel-walsrode.de> und auf Facebook, „Zauberkessel Walsrode“.

    Foto: Mark Intelmann

     

    Christine Duensing
    Christine Duensing
    Christine Duensing schrieb von Juni 2020 bis August 2021 für die STARK.
    ANZEIGE

    Weitere STARKE Artikel

    Der große Reiz der kleinen Häuser – Tiny Houses Visselhövede

    Visselhövede. Groß oder klein? Diese Frage ist immer auch...

    Stiftung Waldheim – Gemeinsam Leben & Wohnen, Lernen & Arbeiten

    In einer schwierigen Zeit wagte Helene Grulke vor 90...
    ANZEIGE

    Folge uns!

    STARK auf Instagram