Als Fachmann traf Hans Schröder die Baum- und Sortimentsauswahl für das Arboretum. Seine berufsbedingt gestalterische Hand lässt sich bis heute nicht leugnen. Wie in einer Baumschule stehen 450 Arten und Sorten überwiegend heimischer Laubgehölze aus 70 Baumgattungen in Reih und Glied. Er wollte Solitärbäume schaffen, um durch große Abstände den Pflegeaufwand der Anlage gering zu halten. Um den Baumschulcharakter aufzubrechen, wurden Blickpunkte in Form von Staudenbeeten angelegt. 2016 entstand ein Heckenkreis mit Stelen, die Besuchern den Weg zu den einzelnen Gattungen weisen. Sumpfzypresse und Urweltmammutbaum sind die einzigen Bäume im Arboretum, die den Nadelgehölzen angehören. Sie durften aufgrund ihrer Einzigartigkeit und Imposanz auf gar keinen Fall im Thedinghausener Schaugarten fehlen und haben daher hier auch einen Platz gefunden. 2013 gründete sich die Baumparkstiftung. Die macht Neuanschaffungen und die Artenetikettierung der Bäume mithilfe von Spenden möglich wie auch die im QR-Code enthaltene Datenbank, die dem Besucher digital Informationen zu den einzelnen Bäumen vermittelt. Mittlerweile wirbt die Gemeinde mit dem Arboretum, dem einzigen dieser Artenvielfalt in Deutschland, für touristische Zwecke. Pflege, Schnitt und Erhalt des ganzjährig geöffneten Baumgartens liegen folglich in den Händen des Bauhofs der Gemeinde. Die Federführung der Konzeption des Arboretums haben mittlerweile Stefan Schröder, Vorsitzender der Baumparkstiftung und Sohn von Hans Schröder, sowie Perdita Fricke übernommen.
„Jeden Baum gibt es hier nur einmal“, stellt Fricke stolz fest. Das sei das Großartige. Und auch die Artenfülle sei in Deutschland ziemlich einzigartig. Die berge allerdings auch Probleme, da für klimabedingte Ausfälle schwer Ersatz zu beschaffen sei. Zur Aufrechterhaltung der Sortimentsfülle muss so mancher Jungbaum daher lange Wege aus dem europäischen Ausland zurücklegen, bevor er im Arboretum in Thedinghausen in die Erde gesetzt wird. 24 verschiedene Birken führt der Baumpark. Solch eine Vielfalt auf so engem Raum gibt es sonst eher selten. Denn Hans Schröders Anliegen war es, der Fachwelt zu ermöglichen, Spezies nicht nur auf Abbildungen in Fachbüchern kennenzulernen, sondern sie in natura in Augenschein nehmen zu können. Ein besonderes Augenmerk Schröders galt der Lindenallee, die als Bienenweide Insekten bereits früh im Jahr Nahrung gibt.
Mit der Jahrtausendallee erfolgte im Jahr 2000 die erste Zupflanzung. Eine klassische Obstwiese gibt es im Thedinghausener Arboretum nicht. En miniature wachsen hier aber vier verschiedene Obstgehölze in Form von Zierobst. Allein 22 verschiedene Zieräpfel und 25 verschiedene Zierkirschen von ganz frühblühenden Winterkirschen bis hin zu Kirschen, die im April in weiß, rosa oder pink blühen, stehen einträchtig beieinander. Auf früchtetragende Obstbäume habe man verzichtet, so Perdita Fricke, um den ehrenamtlichen Helfern nicht zu viel Arbeit zuzumuten. Noch Zukunftsmusik, so Fricke, sei die Anlage einer acht Hektar großen Erweiterungsfläche, auf der natürliche Waldgesellschaften mit Boden- und Strauchschicht nachempfunden werden. Das Konzept dafür hat Perdita Fricke 2018 schon mal erstellt.
Alle Bäume des Arboretums sind besonders. Sehr besonders ist aber der Kuchenbaum, dessen Blätter im Herbst mit dem Laubfall einen intensiven Kuchenduft verströmen. Während der Kinderführung, die die Gästeführerin ebenfalls im Programm hat, liegt unter dem Kuchenbaum immer ein Paket mit frischem Kuchen. Malerisch ist der Flügelnussbaum, dessen Früchte an langen Schnüren hängen. Neben dem Kuchenbaum stehen zwei Maulbeerbäume, Nahrung der Seidenraupe. Den Amberbaum sollte man während einer herbstlichen Wanderung aufgrund seiner Laubfärbung unbedingt besuchen, rät Fricke.
Sechs verschiedene Arten gibt es davon im Baumpark. Ebenso den Trompetenbaum wegen seiner bohnenartigen Früchte und der pelzigen Blätter. Im Frühjahr sind Tulpenbaum, Judasbaum und Schneeglöckchenbaum wegen ihrer besonders schönen Blüten einen Besuch wert. Der Esskastanie gefällt das norddeutsche Klima sehr gut, Gingkos eher weniger. Sie mickern in den ersten Jahren ein wenig, dann aber, wenn sie Fuß gefasst haben, seien sie nicht totzukriegen. Möglicherweise sei es der feste Marschboden, der ihnen nicht so gut bekommt, vermutet die Baumfachfrau.Damit das Arboretum auch Nicht-Baum-Interessierten Spaß macht, wurden zwischen 2013 und 2016 in dem ganzjährig frei zugänglichen Park Boulebahn, Spielplatz und Rundweg angelegt.
Einmal pro Monat findet eine öffentliche Führung durch das Arboretum des Nordens statt. Dabei geht es nicht ausschließlich um Botanik, sondern Perdita Fricke lockert je nach Publikum ihren Vortrag mit Gedichten, mythologischen Erzählungen und Informationen zur Nutzung auf. Die öffentlichen Sonntagsführungen im Baumpark übernimmt Gästeführer Christian Wiechmann.
Termine sind der Homepage des Schlosses Erbhof zu entnehmen www.schloss-erbhof.de
Fotos: Arne von Brill