EDXQ – Ferdinands Feld

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    Rotenburg. EDXQ – Eingeweihte wissen, was sich hinter dieser Abkürzung verbirgt: der Flugplatz in Rotenburg (Wümme). Wo für die einen reibungslose Starts und Landungen maßgeblich sind, zählt für andere Ausgelassenheit und das gemeinsame Feiern. Denn: Der Flugplatz in der Wümmestadt hat sich zu einer beliebten Eventfläche entwickelt. Ein gutes Beispiel ist Ferdinands Feld Festival, das in diesem Jahr bereits zum dritten Mal auf dem Areal über die Bühne ging und Tausende anlockte. Was spricht für den Standort? Wie viel Aufwand steckt hinter der Realisierung? Der 31-jährige Roland Nie- lebock von der 24/7 Events und Merchandising GmbH aus Scheeßel ist einer der Festival-Macher. Sein bunter Lebenslauf: gelernter Kaufmann im Einzelhandel, Versicherungsfachmann, Heilerziehungspfleger, DJ – und mittlerweile Organisator von Ferdinands Feld. 

    Foto: Steffi Stuber

    Herr Nielebock, wie ist denn die Festivalidee entstanden und warum haben Sie den Schritt gewagt, sich in die Umsetzung zu stürzen? Das Ganze ist, um ehrlich zu sein, aus einer Schnapsidee entstanden – ein guter Einfall, wie der Erfolg des Festivals zeigt. Und dass daraus dementsprechender Arbeitsaufwand resultiert, wussten wir alle vorher. Aber dass man nun ein ganzes Jahr so gut wie jeden Tag damit beschäftigt ist, hätten wir nicht gedacht. Wir wollten Rotenburg etwas Neues bieten und den gesamten Landkreis mit dem Festival bereichern – und genau das war es auch, was uns dazu bewegt hat, unsere Idee umzusetzen. Des Weiteren kommt hinzu, dass uns wirklich alle – vom Bürgermeister über das Ordnungsamt bis hin zu vielen anderen – positiv unterstützt haben.

    Foto: Steffi Stuber

    Ist die 24/7 Events und Merchandising GmbH extra dafür entstanden? Ja, wir haben aus unseren Ersparnissen extra eine GmbH gegründet, um das Festival an den Start zu bringen. Meine Mitstreiter sind Marco Fricke und Benjamin Pekrul. Marco kümmert sich in erster Linie um die Bookings der Künstler, das Marketing und grafische Aufgaben. Benjamin übernimmt die Planung in den Bereichen der Infrastruktur, der Technik sowie der Bühnen. Wie ist denn der Festival-Name entstanden? Wir wollten etwas anders sein, als bestehende Veranstaltungen oder Festivals und dachten uns, dass es für die Gäste interessanter sei, wenn sie einen „direkten“ Ansprechpartner hätten. So kam auf jeden Fall die Idee, dem Festival ein Gesicht, eine eigene Persönlichkeit zu geben. In Anlehnung an den Flugplatz und die Geschichte der Luftfahrt kam unserem Kreativ-Kopf Marco dann „Ferdinand von Zeppelin“ in den Gedanken. So hat sich dann alles Weitere ergeben.

    Foto: Steffi Stuber

    Warum haben Sie sich für den Flugplatz Rotenburg als Veranstaltungsort entschieden? Der Flugplatz ist für unsere Veranstaltung einfach der beste Standort. Er ist ziemlich außerhalb der Stadt gelegen, sodass Lärmbelästigungen so gut wie gar nicht entstehen können. Aber dennoch ist er so zentral, dass man ohne großen Aufwand schnell dort hingelangt. Die Autobahnanbindungen aus Hamburg und Bremen sind perfekt und als Rotenburger ist es sogar möglich, ganz entspannt mit dem Fahrrad einzufliegen. Aber das Beste ist die tolle Atmosphäre der Location sowie der gewisse Charme, den ich so noch nicht wieder erlebt habe.

    Foto: Steffi Stuber

    Wie entstand der Kontakt zu den Flugplatzbetreibern? Als die Idee spruchreif war, sind wir ziemlich zeitnah an den Betreiber herangetreten. Dort haben wir dann unser Konzept vorgestellt und konnten die Beteiligten schnell dafür begeistern. Das Verhältnis zu allen, die mit dem Flugplatz in Verbindung stehen, ist super und die Zusammenarbeit passt bis heute sehr gut.

    Wie finanziert sich ein Festival dieser Größenordnung? Leider nur sehr schwer. Wenn etwas überbleibt, dann investieren wir es direkt wieder. Zum Beispiel in neue Bühnen, ins Marketing, ins Line-Up oder auch wie dieses Jahr in ein komplett neues Sanitär-Konzept sowie in einen vierten Anlaufpunkt für die Musik-Fans. Übung macht den Meister: Das Festival fand nach dem Jungfernflug 2015 nun bereits zum dritten Mal statt. Hat sich der Arbeitsaufwand verringert? Also, ich habe für mich festgestellt, dass ich deutlich gelassener an manche Dinge herangehe. Im dritten Jahr wusste man, an welchen Schrauben man drehen muss, damit zum Veranstaltungstag alles steht. Man kennt seine festen Ansprechpartner, ob bei den Behörden, beim Entsorgungsunternehmen oder im Bereich der gesamten Technik. Man weiß, wo man Gerätschaft „XY“ bestellen kann, es ist deutlich weniger Recherchearbeit als im ersten Jahr und alleine das spart unheimlich viel Zeit. Im Gegenzug kommen dann aber auch an anderen Punkten neue Aufgaben hinzu, die abgearbeitet werden müssen. Und das Booking? Laufen Ihnen die Musiker inzwischen quasi die Türen ein? Der Kontakt zu einem Künstler entsteht generell über dessen Agenten oder seine Booking-Agentur. Diese holen sich dann ein paar Informationen zum Festival ein und dann geht es auch schon meistens in die Verhandlungen. Dass uns Künstler die Türen einlaufen, ist leider noch nicht der Fall – klar gibt es mal die eine oder andere Bewerbung, aber diese passt meistens nie in unsere Booking-Philosophie. Die Schwierigkeit, das Line-Up zu besetzen, ist eigentlich die, dass man im exakt richtigen Zeitpunkt den richtigen Riecher für neue Künstler haben muss.

    Foto: Steffi Stuber

    Aufstehen, Kaffee – und dann? Wie sehen Ihre Tage in den Wochen vor dem Festival aus? Die sind lang, sehr lang. Und die Nächte entsprechend kurz. Man fängt an, sich etwas verrückt zu machen und man steht 24 Stunden am Tag unter Strom. Die Woche vor dem Festival verbringe ich die Nächte kampierend auf dem Flugplatz, um jeden Tag ab morgens um 6 Uhr bis spät in die Nacht den Aufbau begleiten zu können. Zwischenzeitlich organisiert man noch Umbuchungen von Flügen und Bahnfahrten von Künstlern, beantwortet Hunderte E-Mails oder hilft einem Gast aus der Patsche, der sein Ticket während des letzten Umzugs verloren hat – der ganz normale Wahnsinn, trotzdem liebe ich diese Herausforderungen! Und wie läuft es in den Wochen danach? Viel Zeit zum Verschnaufen gibt es nicht. Direkt nach dem Festival muss aufgeräumt und der Abbau koordiniert werden. Rechnungen, Buchführung, Abrechnungen – das ist dann das eigentliche Programm, das ansteht. Und die Organisation des nächsten Festivals ist dann auch schon dran!

    Foto: Steffi Stuber

    Einigen großen Festivals wird vorgeworfen, dass der Kommerzgedanke mehr und mehr Einzug hält. Wie sieht es bei Ferdinand aus? Ich denke, dass wir nicht noch mehr Liebe in das Festival stecken können, als wir es jetzt schon machen. In dem Projekt steckt unser gesamtes Herzblut und unsere komplette Hingabe. Jeder, der das Festivalgelände betritt, merkt wohl, dass in dem Projekt viel, viel mehr drinsteckt als reine Planung und Organisation. Und zum Thema Kommerzgedanke: Wo fängt er an, wo hört er auf? Bleiben Sie dem Flugplatz Rotenburg auch im kommenden Jahr mit dem Festival treu? Von unserer Seite steht dem nächsten Flug nichts im Wege!

    Wibke Woyke
    Wibke Woyke
    Wibke Woyke schrieb von September 2017 bis Juni 2020 für die STARK.
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