Rotenburger Wirtschaftspreis für PGN

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    Rotenburg. Das Telefon klingelt und vom anderen Ende der Leitung schallt es durch den Hörer: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind Preisträger des sechsten Rotenburger Wirtschaftspreis.“ So oder so ähnlich hat es sich wahrscheinlich zugetragen Gesichert aber ist das, was Norbert Behrens, Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord PGN, in dem Moment an Gedanken durch den Kopf schoss. Endlich, habe er in dem Moment gedacht und sagt dies mit einem leicht verlegenen Lächeln, aber voller Stolz und ganz ungefiltert. „Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht kaufen.“ Die Idee des Wirtschaftspreises gefiel ihm als ehemaligem Vorsitzenden des Rotenburger Wirtschaftsforums schon immer sehr gut und die Kreise, die der Preis zog, begeisterten ihn. „Das fand ich schon ziemlich cool.“ Welche Wellen durch die Preisverleihung aber wirklich geschlagen wurden, das überraschte Nobert Behrens, Mitbegründer des Wirtschaftspreises, dann doch. „Er hat eine ziemliche Strahlkraft.“ Der Preis bedeute für ihn die Anerkennung dessen, was er für Rotenburg geleistet habe. Das ist nicht wenig, denn seit 33 Jahren hat PGN die Stadt verändert und Rotenburg mitgeprägt.

    Heiko Kehrstephan, Vorsitzender des Rotenburger Wirtschaftsforums, lobte in seiner Laudatio zur Verleihung des sechsten Rotenburger Wirtschaftspreis den Preisträger als jemanden, der weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus strahlt, sich in der Branche einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet hat, kreativ und „mitarbeiterfördernd und zukunftsweisend“ sei. Als größtes Architekturbüro zwischen Hamburg, Bremen und Hannover mit 53 Mitarbeitern habe die PGN Rotenburg in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. Norbert Behrens und PGN stehen damit in einer Reihe mit Borco-Höhns, Oetjen-Logistik, Kohlmeyer Fassadenbau, pds software und Grewe Garten- und Landschaftsbau.

    Sie haben Hunderte von Wohnungen in Rotenburg gebaut und ein Großteil der sanierten Gebäude wie auch das Erscheinungsbild der Rotenburger Fußgängerzone gehen auf das Konto der Planungsgemeinschaft. Im PGN-Stil. Als Norbert Behrens vom Architekturstudium in Kiel zurückkehrte, hatte er ganz andere Vorstellungen, nämlich das zu machen, was sein Maß der Dinge war. Während seines Studiums gab die reine Lehre des Bauhaus ihm architektonische Orientierung. Das findet sich in dem einen oder anderen Projekt auch heute noch wieder. In Zeiten von Optimierung aber verbleibe der reine architektonische Anspruch: man lerne ganz schnell, dass das Leben so nicht funktioniert. „Bei 53 Mitarbeitern ist man eher Manager als Schöngeist.“ Immer aber sei der Stil von der Region abhängig und ihr angepasst. Sein Zuhause beschreibt er als sehr kubisch und voller klarer Linien. In den Jahren hätte er sich entwickelt. „Aber eine Veränderung zum Micky-Maus-Stil wird es nicht geben“, sagt der Ästhet und lächelt. Weihnachtsdekoration im Haus Behrens ist dann auch sehr reduziert. Das Maximum seien vier Kerzen und ein paar Glaskugeln. Und die gerne nicht farbig.

    Seine Zukunftsvision für Rotenburg impliziert die Stärkung der Kernstadt, eine höhere Verdichtung und die Schließung von Baulücken in der Ebene sowie der ersten und zweiten Etagen. Mit diesem Konzept entspricht Behrens der Forderung des Baugesetzbuchs, dass in der Flächenbebauung Innenverdichtung vor Außenverdichtung stellt. „Das ist auch richtig“, betont der Architekt mit Vehemenz. Denn auch bei Mittelzentren wie Rotenburg gebe es noch viel Potential in den originären Stadtzentren. Die Planungsgemeinschaft Nord ist nicht nur in der Region, sondern im gesamten norddeutschen Raum sehr engagiert. Behrens Ziel ist es, Baugebiete zu entwickeln, die in jeder Beziehung neuzeitlich ausgerichtet sind, ökologisch wie auch energetisch. Das Bauvorhaben in Neu Wulmstorf ist da ein gutes Beispiel für Innovation. Und es ist derzeit Norbert Behrens Lieblingskind mit zentralem Paketstandort, einer „anders gedachten“ innovativen Stellplatzsituation, alternativen Verkehrskonzepten, intelligenten Grundrissen und einem hohen Maß an Vorfertigung, das mit örtlichem Handwerk kompatibel ist. „Architektur ist dabei nur ein kleiner Teil“, gibt der PGN-Chef zu bedenken. Stadtplanung, Umweltverträglichkeit und am Ende die Wirtschaftlichkeit sind es, die in der Planung eine Rolle spielen. Die allgemeine Anforderung von zwei Stellplätzen pro Wohneinheit konnte das Rotenburger Planungsteam mit intelligenten Lösungen z.B. von über die Hausverwaltung zu buchendem Car-Sharing auf 1,25 Stellplätze reduzieren, davon nur 0,25 ebenerdig.

    Schon im Alter von fünf Jahren fiel seine Berufsentscheidung zugunsten der Architektur eindeutig aus. Bereits in der Schule zeichnete er gerne. Das ist bis heute, obwohl er seinen Beruf mittlerweile etwas anders interpretiert, so geblieben. Seit 1981 ist Norbert Behrens Architekt mit Leib und Seele. „In diesen langen Jahren bin ich nur zehnmal aufgewacht und hatte keine Lust auf meinen Job“, sagt er ganz ehrlich. Und dann fügt er an: „Ich werde nie aufhören, aber vielleicht statt sieben Tage pro Woche nur noch fünf Tage arbeiten.“ Denn für ihn ist es mehr als nur Beruf, sondern echte Berufung.
    Ein Nebenbei gibt es auch. Das sind seine Automobilleidenschaft, seine Frau Christina, seine zwei Töchter, vor allem aber der Enkelsohn. „Der steht vor der Firma“. Behrens Idealvorstellung wäre, dass er Architekt würde, aber das ist noch Zukunftsmusik. Sein Erfolg, resümiert er, resultiere aus seiner Passion, einer guten Aufgabenverteilung auf vielen Schultern und einer engen Mitarbeiterbindung. Denn seine heutigen Partner haben schon als Praktikanten in der PGN angefangen. „Das ist eine Bruder-Schwesternschaft, die nicht aufzuknacken ist, in dem Bewusstsein, dass wir nur funktionieren, wenn alle funktionieren“, beschreibt er das Miteinander in Rotenburgs größtem Architekturbüro. Es sei ein Ineinandergreifen und Verzahnen. Norbert Behrens lebt in dem Bewusstsein, dass einer nicht ohne den anderen könne und so gibt er das mit der Preisververleihung verbundene Lob umgehend an alle Mitarbeiter weiter. Denn auf die lässt er nichts kommen. Er wisse, dass sie gemeinsam mit ihm durch gute, aber genauso auch durch schlechte Zeiten gehen würden.

    Fotos: Mark Intelmann und Susanne Beeh

    Sabine von der Decken
    Sabine von der Decken
    Geboren 1957 in Nordrhein-Westfalen, Studium der Diplom-Biologie in Bremen und Oldenburg. Seit mehr als 20 Jahren freie Mitarbeiterin Weser Kurier Bremen, arbeitet zudem für Fachmagazine wie Land und Forst und Gartenbauprofi.
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